Märchen und andere Geschichten aus dem Silberwald
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Bergwerk
 

Inhaltsverzeichnis
 

 

Prolog

 

Seite 03

01 Wichtl, der Große

 

Seite 04 - 05

02 Elfensteine im Silberwald

 

Seite 06 - 07

03 LUG, der Nebelbaumeister

 

Seite 08 - 09

04 Der König des Waldes

 

Seite 10 - 11

05 Der Krieg der Gräser

 

Seite 12 - 13

06 Ein Chaotarch im Hain der
    Tausendjährigen
 

Seite 14 - 15

07 Ballog, der Zeitschmied

 

Seite 16 - 17

08 Sternensamen

 

Seite 18 - 19

09 Die Säule der Liebe

 

Seite 20 - 21

10 Zeitbrunnen – ein Brunnen der Zeit

Seite 22 - 23

 

 

11 Die Poesie und Grammatik der Natur

Seite 24 - 26

 

 

12 Der Sternenfindling

Seite 27 - 29

 

Öffentliche 2. Waldauflage 2009/10 ::: Kopien und Vervielfältigungen jeder Art sind nicht erlaubt - Urheberschutz.

Kopien nur auf Anfrage unter info@schwazersilberwald.at
 

Prolog

Wer zum ersten Mal den dunklen Forstweg zu Loorien alpha - den Schwazer Silberwald hinaufgeht und dann unerwartet aus dem Dunklen kommend bei der Simon-Juda-Kapelle wie durch ein Tor in eine scheinbar ganz andere Welt eintritt, in dem kommt eine Ahnung auf, dass hier etwas Besonderes vor sich geht.

Und in der Tat entsteht hier eine Welt wie aus altvorderen Zeiten und doch so gegenwärtig, wie sie nicht aktueller den Träumen vieler Menschen entsprechen könnte.

Naturerleben und -erfahren im hochkultiviertem Raum Europa geht meist ein seit Jahrhunderten intensives Naturgestalten voraus. Und so sind viele gefüllt mit einer stillen, oft tiefen Sehnsucht nach einer Naturzeit, wie es sie so rein nie gab.

Deswegen schaffen Menschen oben im Silberwald eine Poesie und Grammatik der Natur des Waldes und der des Menschen jenseits von Romantizismus und Zeitgeist.

Niemand kommt aus dem Silberwald so heraus, wie er in ihm hinein geht. In ihm treffen Mythos Wald und Mythos Mensch aufeinander, erfahren voneinander in Mystery Wood - im Zauberwald.

Junge Menschen und ältere, die den Schatz Kindsein noch in sich haben, erfahren von diesem Treffen, von den uralten Legenden des Silberwaldes. Spätestens im Schwazer Silberwald – den Hain der Tausendjährigen wird dieser Schatz aus den Tiefen ihrer Seelen gehoben.

Barabbas-Yuha-Eley  2007
 

Wichtl, der Große

Obwohl sich jeder unter Wichtl irgend etwas vorzustellen scheint, kann keiner Wichtl, den Großen, im Silberwald so richtig beschreiben.

Er stammt vom mächtigsten Geschlecht, den Meistern des Waldes, ab. Große, dunkle und schlanke Gestalten, meist ruhig und wenn notwendig von elementarer Gewalt. Nur; er schlägt irgendwie ganz aus der Reihe. Von körperlicher Größe überhaupt keine Spur. Er flitzt und fetzt durch den Wald, Felsen und Bäume hinauf und hinunter. Dass mancher Baum schon vor dem Herbst seine Blätter verliert, ist nur ihm zu verdanken. Meist ist er in Bewegung und wenn er doch einmal Ruhe zu geben scheint, bewegt sich der Boden unter ihm hindurch, sagt er, wie zur Entschuldigung.

Niemand kann ihm deswegen wirklich böse sein, denn Wichtl ist ja erst ein paar Jahrtausende alt. Viele warten hart bis nochmals einige Tausend Jahre vergehen und es dann im Silberwald vielleicht etwas ruhiger wird – er geht allen gehörig auf die Nerven.

Die Kinder im Silberwald liebt Wichtl heiß, denn sie scheinen ihm ähnlich zu sein. Nur nicht ruhig sitzen, schon gar niemanden gehorchen und immer irgend etwas anstellen oder gar manch Wichtigmachern das Leben schwer machen. Brave Kinder sind ihm ein Gräuel, denen spielt er oft genug Streiche. Da tun er und LUG, der Nebelbaumeister sich zusammen.

   Besonders wohl fühlt sich Wichtl, wenn er traurig ist. Das sind die Augenblicke, in denen er zur Ruhe findet und sich ganz seinen Seelenschmerz hin gibt. Dafür hat er seinen speziellen Menhir, einer von mehren mannshohen, spitzen Steinen.

In der Mitte des Silberwaldes gibt es einen kreisrunden Platz mit einer wuchtigen und mehrstufigen Steintribüne. Linkerseits und rechterseits des Platzes stehen je vier Menhire, sie alle gehören Wichtl.

Gottfried der Waldaufseher der nahen Silberstadt hat diese Steine aufstellen lassen. Er ließ sie aus weit entfernten Tälern hier her bringen. Natürlich unter Einwilligung und Aufsicht der Elfen, aber das weiß zum Glück Gottfried nicht, da könnte er nicht mehr ruhig schlafen.

Gottfried ist ein richtiger Steinmensch, so wie hier die alten Geschlechter aus den Bergen, stark, untersetzt und von ruhiger Gelassenheit. Eigentlich nicht, wie sie Wichtl mag, aber er ist im dankbar für die Steine, den für jedes Gefühl hat er seinen speziellen Stein. Und deswegen passt Wichtl auf, dass Gottfried kein Baum auf den Kopf fällt, schon gar nicht der Himmel.

Der erste Menhir, ganz links vorne ist Wichtls Lieblingsstein, ist der des Traurigseins. An dem lehnt er alle paar Jahre und heult zum "Gotts Erbarmen". Aber natürlich nur, wenn der Wind so richtig weht oder gar ein Sturm wütet, dann gibt er ihm seine Stimme und die Leute glauben, das sei eben der Wind.

   Manchmal im März liegt Wichtl oberhalb des Silberwaldes am Falkenstein, umgeben vom alten Schnee des Winters in einer sonnendurchtränkten Grasmulde und lässt sich die milde Spätwintersonne auf den Bauch scheinen. Dann genießt er so richtig die letzten Ausläufer des Winters.

Mit Wehmut erinnert er sich an die klirrend kalten Winternächte, in denen er hoch oben am Falkenstein, weit auf einer Felsennadel außen sitzend über das Land schaute, während bei klarer Nacht der Mond den unten liegenden Silberwald, ja das ganze Inntal in fahlgraues Marmor gießt. Oft genug fror er dabei am Boden an. Er musste sich am Morgen gehörig schütteln, damit er vom Boden wieder los kam. Die Leute im Tal unten meinten dann, große Steine des Eiblschrofen kommen wieder ins Tal herunter. Und wenn Wichtl endlich vom Boden frei kam, fiel er meist auf den Rücken, die Beine und Arme in der Höhe, wie ein steif gefrorener Käfer und wartete auf das wärmende Morgenlicht.

Das sind seine glücklichsten Momente und mit Grausen denkt er jetzt daran, dass nun der Frühling und der Sommer kommt, die Zeit der Hast und der lästigen Menschen.

Die Geschichte von Wichtl, den Großen, geht
nach der letzten Seite dieses Buches weiter.

 

♥ ♥ ♥

 

Elfensteine im Silberwald

Lange bevor es Menschen gab, gab es  Elfenfürsten, Elfenmänner, Elfenfrauen und Elfenkinder. Sie brachten die Musik in den Wald, lehrten den Bäumen die Lieder des Windes und den Steinen die vergessene Sprache ihrer Ahnen. Die Tiere sind ihnen etwas zu hastig, deswegen kümmerten sie sich nie um sie und den Menschen gehen sie seit jeher aus dem Weg.

Elfen sind so groß wie ein Zeigefinger lang ist, auch können sie sich größer machen, so dass sie den Menschen bis zu ihren Knien reichen. Je nach Laune scheinen sie durchsichtig, aber an besonderen Plätzen, besonders in der Nähe von Zeitbrunnen verwandeln sie sich in ein wunderbares, sogar die Sonne überstrahlendes Licht.

Die Elfenmänner sparten nicht mit ihrem Licht und sagten immer wieder zu ihren Frauen: “Wir können uns in ein viel schöneres Licht verwandeln, heller als ihr es jemals sein werdet.” Das stimmte natürlich nicht, aber die Elfenmänner sagten das immer wieder und allmählich kam in den Elfenfrauen Ärger und letztlich Zorn hoch. Irgendwann ertrugen die Elfenfrauen ihre Männer nicht mehr, nahmen ihre Kinder und zogen mit ihnen über alle Berge und Wälder hinweg an einem Ort namens Loorien, den ihre Männer nicht finden konnten.

Lange Zeit gingen den Elfenmännern ihre Frauen und Kinder nicht ab, denn sie hatten ja ihr wunderbares Licht, mit dem sie sogar den Silberschmieden tief im Berg drinnen das heilige Schmiedfeuer ersetzten.

Vom Elfenlicht hörten alle, denn Bäche und Flüsse trugen ihre Lieder ins Land hinaus. Aber je mehr das Elfenlicht in aller Munde war, um so trauriger wurden die Elfenmänner, denn ihnen fehlten ihre Frauen und Kinder sehr.

So stiegen die Elfenmänner aus ihren Zeitbrunnen herauf und begaben sich auf die Suche nach ihren Frauen und Kindern. Über Berge hinweg, durch Wälder und Wüsten hindurch, sogar an den Straßen der Menschen entlang führte sie ihre Suche. Aber niemand hatte etwas von ihnen gehört.

Seit Äons Zeiten sind die Elfenmänner nun unterwegs, und ihre Sehnsucht drücken sie in immer traurigeren Liedern aus. Der Wind trägt ihr Gesang über Ozeane hinweg in ferne Länder, nur die Menschen verstehen sie nicht.

Schon lange steigen die Elfenmänner nicht mehr in ihre Zeitbrunnen. Sie spüren Zeitlosigkeit und Trauer und ihre Suche zwingt sie immer öfters zur Ruhe und zum Schlaf.

Nur noch wenige wissen, dass Elfen nur unter Wurzelstöcken schlafen können, auf denen besondere Steine liegen, eben Elfensteine. Auf der Suche nach ihren Frauen und Kindern kommen die Elfenmänner immer wieder durch den Silberwald. Sie kommen unter dem Kleinen Damm am Forstweg entlang zum Mondweiher herüber, an den Vier Steinen der Weisheit vorbei und schlafen für einige Zeit unter den Wurzelstöcken mit den Elfensteinen. Erst nach einer Schau im Zeitbrunnen des Silberwaldes gehen sie wieder auf die Suche.

Jeder Silberwaldbesucher, der die Elfensteine sieht und ihre Geschichte kennt, der vergesse nicht, auf seinen Wanderungen und Reisen auf Wurzelstöcken besondere Steine zu legen. Vielleicht zieht dann darunter ein Elf ein, oder er hört dann gar das Lied vom Elfenlicht.

Wer diese Geschichte kennt und einem Elfenstein begegnet, der weiß von der Trauer und Sehnsucht der Elfen und weiß, dass andere auch davon wissen.

 

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LUG, der Nebelbaumeister

   Die Zeit hat ihre Knoten und da trifft sich dann so manches an sonderbaren Orten. Schon seit einiger Zeit, eigentlich seit Virón, der Apokalyptische Reiter, im Silberwald ist, entwirft LUG, reißt wieder ab, was er eben gebaut hat, und fängt von neuem an. LUG, Prometheus Sterbebegleiter, aber auch der große Baumeister von Brücken, himmelhohe gewundene Stiegen, alles verhüllende Wände und vieles mehr. ER ist mit seinen Werken einfach nicht mehr zufrieden, denn er hat nur einen Baustoff, den Nebel.

    Virón erzählte ihm, irgendwo in einer berühmten Stadt in Amerika treffen sich alle paar Jahre die besten Architekten der Welt und einer von ihnen bekommt dann den Preis aller Preise, den des besten Architekt. Bald ist es wieder so weit und LUG baut immer verrücktere Konstruktionen.

   Im Silberwald herrscht Nervosität. Selten kommt die Sonne durch, weil irgend ein Bauwerk den Himmel verstellt. Wichtl wird gebeten, mit LUG ein Wort zu reden. Und Wichtl, der Schwätzer, kann sich keinen wichtigeren Auftrag vorstellen.

   LUG und Wichtl sitzen am Falkenstein über dem Silberwald und schauen dem Wind zu, wie der LUGs Kunstwerke gleich um eine Talbreite versetzt, sie letztlich über irgendeinen Bergkamm hinweg verschwinden lässt.

Wichtl frag LUG, was denn so los sei und LUG erzählt ihm, dass Virón ihm von der kommenden Preisverleihung in Amerika erzählte. Virón reitet seit neuestem entlang von Strom- und Datenleitungen, am liebsten sorgt er für Chaos in Computern. Daher weiß Virón am besten, was so alles in der Welt passiert.

Und LUG will unbedingt an diesem Wettbewerb mittun. Aber wie?

Wichtl fühlt sich sehr wichtig und daher kennt er jeden im Silberwald, auch BAUBO die Mondgöttin und die könnte hier sicher helfen. Wichtl fragt BAUBO scheinheilig um Rat, wie es denn so wäre, wenn sie als Göttin mit ihrer unvorstellbaren Macht irgendwie einen Plan LUGs, von einem Nebelturm, nach Amerika bringen würde und Virón diesen Plan dann über den Computer der Jury in den Wettbewerb einbringt.

BAUBO fühlt sich durch Wichtls Schmeichelei geehrt und sagt ihm: „LUG soll einen Bauplan für den Wettbewerb entwerfen und diesen Plan schicke ich als Traum dem Stadtbaumeister der nahen Silberstadt. Zugleich natürlich mit dem dringlichen Verlangen am Wettbewerb mitzutun. Allen anderen Teilnehmern schicke ich auch Träume, aber Alpträume.“ Im Silberwald soll endlich Ruhe einkehren, daher muss LUG gewinnen, mit allen Mitteln.

   LUG hat große Bedenken, Virón und BAUBO zusammen in solch einer Aktion, das muss schief gehen, beide sind einfach zu unberechenbar. Der Stadtbaumeister bekommt trotzdem den Traum, denn gegen den Entschluss einer Göttin ist kein Aufkommen.

Der Stadtbaumeister reicht LUGs Plan in Amerika ein, wo er im Computer der Jury gespeichert wird. Die Bewertung der Projekte findet gerade statt und Virón hilft der Sache etwas nach, denn im Silberwald soll endlich die Sonne scheinen. Aber Virón und ein Computer passen nicht zusammen, alle Pläne, Entwürfe und wunderschönen Bilder zersetzen sich, der Computer stürzt ab, und der Wettbewerb entfällt.

Überall bricht Chaos aus. BAUBO setzt den Mond vor die Sonne und LUG verhüllt die Welt mit Nebel. Seither nennt man LUG den großen Verhüller und darauf ist er doch etwas stolz.
 

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Der König des Waldes

   In der Zeit der Altvorderen war Myra ein großer König und ein berühmter Krieger. Kein noch so schneller Reiter konnte an einem Tag von einem zum anderen Ende seines Reiches reiten. Nicht das Regieren für sein Volk lag ihm nahe, sonder Ruhm und Ehre in der Geschichte der Menschenzeit.

   Als Myra keinen Feind mehr fand, ritt er Tag und Nacht ruhelos über sein Land, suchte verborgene Orte, fand den Stein der Weisen, den Dunklen Teich ohne Grund und hörte immer wieder vom Silberwald. Jeder konnte von diesem Wald irgend etwas erzählen, aber niemand wusste den Weg dorthin.

   König Myra suchte Jahr um Jahr, grau war sein Haar, krumm sein Rücken und ihm fehlte nur mehr der Silberwald.

Eine alte Frau am Waldrand sagte ihm, du wirst den Silberwald nie finden, dafür ist dein Ruhm zu groß, bist du viel zu mächtig. Und der große König Myra weinte. Alle hat er besiegt, sein Name wird nie vergessen sein, nichts, das er nicht kannte und ausgerechnet ein Wald verschloss sich ihm.

   Mit Tränen der Wut im Gesicht ritt Myra immer tiefer in den Wald hinein, an uralten Bäumen vorbei, deren Äste tief zum Boden reichten und dem rasenden Reiter immer öfter den Weg versperrten. König Myra kam nicht mehr nach vor oder zurück. Die uralten Riesen legten immer enger ihre Äste um den König und hoben ihn in ihre Kronen zwischen den Wolken.

   König Myra bekam Besuch. Der Wind erzählte ihm vom Wald, die Bäume sangen ihr Lied und Steine lehrten ihm die Sprache der Seele des Landes.

Die Zeit rauscht in den Blättern, der Wald wanderte weiter, Menschen kamen und gingen, nur König Myra und seine Bäume standen wie ein einsamer Turm im Land. Myra, einstmals ein großer Name, war nur mehr ein verwehtes Echo in der Erinnerung der Menschen.

   In Jahrtausenden faulten die letzten Riesen vor sich hin, fielen langsam in sich zusammen. Der Nebel, der Verführerische, seine Fahnen und fetzigen Bänder bauten gleißend helle Brücken über Schluchten, schraubten sich spiralig an Bergen empor. Er lockt den uralten König zum Berg mit den tiefen Löchern. In ihm ist König Myra seit undenklichen Zeiten gefangen.

 

Erst wenn Menschen mächtige Bäume setzen, in ihren Kronen ein Haus bauen, kommt der Silberwald und der uralte König zurück. Dann setzt der König, der alte Krieger, den Samen der Erinnerung in die Herzen der Menschen. So dass uraltes Wissen wie wunderbare Bäume in den Seelen der Menschen wächst, es dem Leser dieser Geschichte Freude und Glück bringt.

In Loorien alpha - dem Silberwald ist das Turmbaumhaus  OECONOMIA gesetzt. In ihm findet König Myra in nicht allzu fernen Zeiten wieder ein Zuhause unter den Menschen.

 

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Der Krieg der Gräser

   Gott kann sich nicht mehr zurück halten. Immer wieder hört er vom Silberwald. Dort soll es eine Göttin geben, allerlei Baum- und Steinwesen und Wesen, die älter als er sein sollen.

   Das gibt es natürlich nicht. Er ist der Anfang und das Ende, sagen die Menschen unten im Tal und Gott hofft, die werden schon wissen, von wovon sie sprechen. Es kann nun wohl nicht sein, dass es einen Ort auf der Erde gibt, von dem er nicht weiß, was dort los ist. So beschließt Gott einfach im Silberwald spazieren zu gehen.

   Von der aufgehenden Morgensonne herunter kommend, teilt der geschwungene Weg der Elfen das kleine Tal am östlichen Ende des Silberwaldes in zwei Hälften: bergseits die Reihe der Linden, an dessen Ende König Myras Baumhaus heran wächst und talseits, wo der Mondweiher zu Füßen des Labyrinths der Kinder jeden Eilenden anhält. Sonst ist es nicht gerade still im Silberwald, aber jetzt hält die Welt den Atem an. Gott ist da.

   Von Wichtel, den Neugierigen, ist nichts zu sehen, BAUBO tut so, als stünde sie nicht dort, wo sie gerade steht und LUG scheint wieder einmal die letzten Felsritzen am Eiblschrofen erkunden zu wollen. Gott wundert sich über die Stille, er hatte anderes erwartet. Kein Vogel ist zu hören, kein Baum knarrt, der Wind scheint um den Silberwald herum zu wehen. Geheuer kommt das Gott nicht vor. Der Silberwald zeigt sich ihm wie jeder andere Wald. So setzt sich Gott auf den Stein der Weisheit und zeigt damit allen, dass er hier und gleichzeitig überall sein kann und der berühmte Silberwald nichts anderes als eine Geschichte, eine Legende, ist.

   Gott ist nun wirklich nicht dumm. Er weiß alles und er sieht alles, sagen von ihm die Menschen. Aber warum setzt er sich gerade auf den Stein der Weisheit, wo doch ein jeder weiß, dass dieser der Berührungslose ist. Das weiß nun wirklich ein jeder, sogar die Kinder wissen, dass die uralten Vier Steine der Weisheit nicht umsonst im Silberwald stehen und es niemand wagt, den vierten, den der Weisheit, selbst zu berühren.

Die Vier Steine der Weisheit sind zwar nicht die Ältesten ihrer Art, aber ihre Geduld ist rasch erschöpft, sitzt ausgerechnet ein Gott, der es besser wissen müsste, darauf. Wenn sich auch sonst alle vor Gott im Silbewald verstecken, wollen sie ihm jetzt ein Schauspiel der besonderen Art bieten, eines wie gerade der Silberwald eines nicht ist.

   Die Vier Steine der Weisheit sind uralt, aber sonderbarerweise sind ihre Freunde die, die nicht gerade alt werden: die Gräser. Und die Steine bitten nun die Gräser, für Gott einen Krieg zu inszenieren – den Krieg der Gräser. Die Gräser wiederum haben einen Freund: den Wind. Der Wind, der Schwätzer und Beuger, hat noch nie einen Grashalm gebrochen. Obwohl er sonst alles mögliche anstellt, Bäume bricht oder gar Dächer abhebt, biegt und wiegt er die Gräser, richtet sie auf und macht mit ihnen das seltene Konzert der Natur.

   LI und LO, die schönsten aller Gräser, rufen ihren Freund und der lässt sich nicht lange bitten. Er fährt in die Grashänge hinein und über die Wiesen hinweg. Mit seinen Wirbeln verstreut er abgestorbenes Gras über die Baumwipfel hinweg. Es rauscht und knistert tief über dem Boden. Die Gräser werfen sich übereinander, der eine Hang richtet sich gegen den anderen und auf den Wiesen weiß so keiner mehr, wer gegen wen kämpft. Selten gab es solch ein Getümmel des kleinen Volkes und Gott nimmt das wohlgefällig zur Kenntnis.

   Er verlässt zufrieden den Silberwald. Also nichts ist wahr an den Gerüchten von der wunderbaren Welt des Silberwaldes. Auch dort gibt es Krieg und Kampf. Die Welt ist wieder in Ordnung. Sie ist so wie sie schon immer war – seiner, Gott sei Dank.

 

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Ein Chaotarch im Hain der Tausendjährigen

   Als vor Jahrtausenden Griechenland noch neben dem alten Persien lag, sahen die Magier, die weisen Männer, oft in den nächtlichen Himmel und beobachteten die vielen Sterne. Am Firmament ging Jahr für Jahr alles seinen geordneten Weg und die Weisen sagten zu dieser Ordnung Kosmos.

Am Morgen dann sahen die Weisen wie der Wind die Bäume bog, die Sonne die Frucht am Feld reifte oder sie verbrannte und wie der eine gegen den anderen Krieg führte. Alles schien nicht vorhersehbar, schien einer Unordnung zu unterliegen und dazu sagten die Weisen Chaos.

   Die Weisen fragten sich immer wieder, was ist der Grund, was ist die Ursache von Kosmos und Chaos, wer sind die Verursacher? Die einen sprachen von Göttern, die anderen von Titanen und einige sagten, dafür gibt es keinen Namen und sprachen nur von Meistern des Chaos, den Chaotarchen, und den Meistern des Kosmos, den Kosmokraten. Einmal sind die einen die Herren, einmal die anderen.

   Veronika wurde in den Wald geschickt, sie solle eine Wurzel als Zierstück für den Silberwald finden. Und Veronika kam mit einer Wurzel zurück, aber diese war nun wirklich kein Zierstück. Die Wurzel mit ihren zwei übergroßen bedrohlichen, zahnartigen, oder waren es hörnerartige, Auswüchsen beanspruchte von sich aus sofort den besten Platz gleich am Eingang zum Silberwald, neben einem Mammutbaum.

  In den ersten Jahren des Silberwaldes arbeiteten die Leute mit großer Freude im Hain der Tausendjährigen und alles gelang gut, bevor der Sündenfall passierte. Aus Übermut eine finstere und bedrohliche Wurzel in einen wunderschönen und ruhigen Hain zu stellen, kann nicht ohne Folgen bleiben. Schäden und Unfälle häuften sich und der Baumtod besuchte den Hain der Tausendjährigen.

Die Silberwaldfrauen wollten die Chaotarchenwurzel bei der nächsten Sommersonnwendfeier verbrennen oder sie im Garten des Bürgermeisters der nahen Silberstadt aufstellen. Aber ein Chaotarch lässt sich nicht einfach so verbrennen oder einer Stadt schenken. Ist er nun einmal da, wird man ihn nicht mehr los.

   Die alten Magier des Morgenlandes sagten, wo Chaos ist, ist auch Ordnung und mit beidem müssen die Menschen leben lernen. Die Meister des Chaos kommen und gehen, ebenso wie die der Ordnung, auch die im Silberwald, dem Hain der Tausendjährigen.

 

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Ballog, der Zeitschmied

   Wum, Wum, Wum! Von tief unter dem Boden des Silberwaldes herauf tönt es dumpf im Rhythmus der Zeit. Die Blätter zittern und alle ducken sich. Die Bewohner des Silberwaldes haben Angst, dass ihnen die Sterne auf den Kopf fallen.

   Wichtl, LUG und Virón finden die ganze Sache nicht mehr so lustig. Sie suchen BAUBO, die Mondgöttin, auf und fragen sie, was diese dumpfen Töne bedeuten. BAUBO ziert sich etwas, sagt dann aber doch: „Das ist Ballog, der Zeitschmied – der letzte der Erdfaune, vom Geschlecht der Incubi.“ Und BAUBO fährt fort: „Ist euch nicht aufgefallen, wie die Menschen unten im Tal immer schneller werden. Sie rasen wahnsinnig schnell auf Straßen, laufen dort, wo es nichts zu laufen gibt, und nennen das noch Sport. Sie eilen durch den Tag, reden die ganze Zeit untereinander ohne sich zu sehen und sammeln und häufen an, bis ihre Seelen keinen Platz mehr haben.“ Und Wichtl, sehr wichtig, sagt: „Ich habe gehört, die Menschenfrauen lassen sich ihre Brüste aufschneiden und füllen sie wie die Weihnachtsgänse - immer schneller, immer höher, immer mehr!“ Virón ruft dazwischen: „Gefüllte Gänsebrust, wie lecker!“

   Wum, Wum, Wum! BAUBO etwas ungeduldig, fährt fort: „Ihr Zwerge. Die Hast der Menschen kann sich auch auf den Silberwald auswirken. Ballog schmiedet die Glieder der Zeitkette. Die Zeit ist ein riesiger Grundwassersee, tief unter der Erde, auf dem ES an einer endlos langen Kette ein Zeitschiff in einem großen Kreis herum zieht. Dieses Schiff ist die Menschenzeit und wenn manchmal Glieder brechen, schmiedet Ballog die Kette wieder zusammen. Aber je kürzer die Kette wird, umso schneller fährt das Zeitschiff. Bald kann es zu einer Katastrophe kommen, wenn das Zeitschiff immer schneller im Kreis herum fährt.“

„Was passiert dann“, fragt LUG. BAUBO: „An Zahl wachsen die Menschen so schnell, dass sie immer mehr Platz brauchen und viele Wälder abholzen. Oder sie bauen gigantisch große, Legionen von Maschinen, die die Erde beben lassen und den Himmel mit Rauch verdunkeln. Viele der uns Schutzbefohlenen, Bäume, Wässer oder Tiere sterben daran.“ BAUBO macht eine bedeutsame Pause und sagt dann: „Ballog muss ein neues Glied einsetzen , nicht nur wie so oft die Kette flicken. Da es aber hierbei um die Menschenzeit geht, kann solch ein Glied nur aus einen Menschen geschmiedet werden. Alle Glieder der Kette wurden in langer, langer Zeit aus Menschen geschmiedet.“

   Wichtl ruft entsetzt: „Das ist ja furchtbar, die armen Menschen!“ Virón sagt darauf ganz cool: „Es ist ja ihre Zeit, die Menschenzeit, und wären sie nicht so zeitgierig, könnte ihr Schiff in Ruhe über die Gezeiten segeln.“ LUG geht die ganze Sache auf die Nerven und unterbricht den Streit, indem er an BAUBO gerichtet fragt: „Was können wir tun? Ich möchte in Ruhe meinen Nebel übers Tal legen, ohne dass die Menschen mit ihren großen Nebelmaschinen mir ständig Konkurrenz machen.“ BAUBO in ihrer sparsamen Sprache: „Zu Ballog hinunter müssen die zwei sich am meisten liebenden Menschen, Mann und Frau, und die müssen sich von ihm zu zwei Glieder schmieden lassen. Damit aber noch nicht genug, sie müssen den stärksten Glauben an Gott haben. Geht ins Tal hinunter, sucht und prüft! Wenn ihr solche findet, so bringt sie herauf.“

   Wum, Wum, Wum! Felsen stürzen herunter, riesige Lawinen gehen ab und Stürme fegen über das Meer, an dessen Küsten ganze Landstriche versinken. LUG beeilt sich zu sagen: „Ein großer muss hinunter, einer wie ein Gott. Am besten Ballog selbst. Und er soll sie prüfen in ihrer Liebe untereinander und in ihrer Liebe zu Gott.“

Ballog steigt ins Tal hinunter und beginnt bei den honorigen Persönlichkeiten, bei den Politikern, den Berühmtheiten. Sie alle rufen laut nach Gott, jeder noch lauter, aber sie beten ihn nicht an. Sie lieben nur sich selbst, nicht den anderen. Und wenn, dann nur um ihrer selbst willen.

Ballog geht bei Tag als Bettler durch die Straßen der Städte und Dörfer. Nirgendwo findet er erwachsene Menschen, die der Zeitkette würdig wären, nicht einen! Bei Nacht streift er mit glühenden und lodernden Augen durch die Gassen, während er nach braven und lieben Kindern Ausschau hält.

Wum, Wum, Wum! So sucht Ballug weiter und die Welt dreht sich immer schneller. Es wird düsterer und immer dunkler. Nur mehr Ballogs Augen lodern hell in der Nacht, eine lange Reihe Kinder hinter sich her ziehend.

 

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Sternensamen

Schwierige Übersetzung aus Cosmologica „Das Lied der Genesis des Wortes“

Als noch nichts geboren,
weder gewogen, noch verloren,
war Weite, Leere, Dunkelheit,
störte kein Licht der Ruhe und Einsamkeit.

Die Rufer kommender Zeiten,
ruhen unhörbar in kurzen Weiten,
Stille dehnt den ungeborenen Traum,
Blindes füllt Tiefe mit leerem Raum.

Wo ewig schwarze Leere,
schläft im Bette stiller Meere,
keine Wärme, kein sich regen,
ist zuviel Platz für fernes Leben.

Noch herrscht früher Schatten Licht,
überall wohnt luftiges Gewicht,
nährt Kälte, Schwärze und Ewigkeit,
nie gekannter Massen Blindheit.

                        

Als der Raum noch ohne Zeit,
fesselte kein Maß die dunklen Weiten,
trieb uraltes, vorzeitenes Wissen,
wie Vögel in sternenlosen Tiefen.

Wissen sammelt Macht zur Sicht,
der Blinden Heerschau ein erstes Licht;
Ahnend über Gräben weltenloser Ränder,
wie Lichterquellen Ausfluss flatternder Bänder.

Dort, wo erster Gewalten Sinn,
waren sie fremd im Krieg Träume;
Hofften sie ein Wort vom Anfang zu finden,
uraltes Wissen in gestreuten Sporen zu binden.

Bis der Stille Boden fruchtbar bereitet,
des Lebens Spur in ferne Welten leitet;
So befruchteter Samen die Leere füllte,
namenloses Hoffen aller Seelen Stillte.

                        

Als weder Werden, noch Vergehen,
bestimmte der Welten Leben,
die Mütter der Unsterblichkeit,
in Weite, Leere, Dunkelheit.

Erst zwischen Abend und Morgen,
bevor geboren Unruhe und Sorgen,
schuf Unbekanntes der Welten Freiheit,
des Endes Drang zur Einheit.

So überall träumend einher zieht,
der Sporen Hunger unersättliche Sog;
Um zu suchen, zu finden und zu fassen, kalte Massen in sternenlosen Gassen.

Dort wo verlassen und einsam,
des Lebens Same niemanden sein Eigen,
hofften alle auf der Wärme Strahlen,
lange vor den vergessenen Sagen.

                         

Als die Leere gefüllt mit Wissen,
gebar die Fülle der Sterne Gewissen;
Erwachte uralte, unverbrauchte Macht,
sie zwang der Welten Nichtigkeit zur Acht.

Überall beginnen Massen sich zu regen,
streut die Macht Sonnen wie Regenbögen,
lenkt der Sterne spiralige Scharen,
auf den Bahnen junger Seelen Gefahren.

Betagtes Schweigen fragt,
Sterne ferner Ruf klagt;
Verlieren soll Stille und Ruh,
dem Wort allein steht Macht zu.

Um zu beseelen, den Frevel zu sehen;
Einer gegen den Anderen muss aufstehen,
bis Weite gefüllt mit stummer Hast,
so aller Last überall ein erster Gast.

                         

Als die Sterne noch nicht geboren,
ruhten hinter schwarzen Toren,
in Weite, Leere, Dunkelheit,
der ewige Atem der Einsamkeit.

Unsterbliche Seelen irren umher,
sind verdammt zu leben im leeren Meer,
kannen kein Weinen und kein Lachen,
wissen nichts von Liebe und Hassen.

Ihre Träume sind noch nicht erwacht,
die Endlichkeit ihnen ein tiefer Schacht;
Träge suchen sie Anfang und Ende,
der Unsterblichkeit endliche Wende.

Wie zeitlose Greise geisternd,
ewig sehnend um die Leere kreisen,
suchen sie in lautloser Stille,
des Nährboden fruchtloser Wille.

                        

Als der Sonnen Strahlen noch blind waren,
der Sternen Beine auf ihren Bahnen lahmten,
lebt schon lange uraltes, zeitloses Sein,
gefangen in der weiten Tiefe Schein.

Es ruht hilflos an Orten dunkler Schwärze,
wie schweres Gas das Sein zur Gänze;
Wohnt dort der Gestirne luftige Schwere,
am Anfang vom Ende in der Leere.

Nicht wissend, dass gelebt und vergessen,
in der Einsamkeit Gefängnis nie gemessen;
Das Sein das Licht der Pforte will zünden
jenseits ihr den Einsamen hofft zu finden.

Um dort im Meer der Gestirne Massen,
der Seelen Sein kund tun vom Hassen,
den Einsamen an tote Leiber zu binden,
ihn mit ewigen Leben schinden.

                        

Als Macht begann sich zu regen,
fragt Wissen nach alten Traumwegen;
Wo zu suchen der Dunkelheit Gefilde?
Wo glüht der Seelen Dürftigkeit Schmiede?

Beginnendes Gezetter schwarzer Massen,
baut aus toten Gestirnen erste Sonnestraßen,
hallt wider im Schweigen der Sternenkrieger;
Alle warten auf die Macht, auf den Sieger.

Unerträgliche Lauer legt sich nieder,
durchdringt des Universums kalte Glieder;
Bis gezündet der Sternenknall Beginn,
den Sporenschwärmen Ströme zum Gewinn.

Das All gefüllt mit Licht und Wärme,
gestreuter Samen gedeiht in Kosmos Gedärme;
Auf dass der Gestirne Seelen sich regen,
der Weite, Leere, Dunkelheit geben das Leben.

 

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Die Säule der Liebe

   Leya liegt auf dem Bauch und beugt sich mit ihren Augen ganz nah über all das kriechende Getier unter den Gräsern. Ihre Nase steckt zwischen den Grashalmen und sie riecht die Feuchte und Wärme der Erde.

Eigentlich müsste sie im Silberwald glücklich sein. All die Wesen hier lieben ihre klare Stimme, ihr Summen und meist, wenn sie vom Tal herauf kommt, bringt sie die Sonne mit. Oft sitzt sie nur auf einem Stein oder einem Baumstumpf und alles ringsherum findet zur Ruhe, hält inne, freut sich alleine an ihren Dasein. Und doch ist in ihr eine unerklärbare Wehmut, eine dunkle Sehnsucht.

   Wichtl, der Große, und Virón, der Apokalyptische Reiter, wachen über Leyas Träume im Silberwald. Sie sind beunruhigt, sie spüren Leyas Wehmut, und verstehen nicht ihre Sehnsucht. Immer öfter kommt Leya bei Nacht in der Zeit des Vollmonds herauf, und dann legt sich auf dem Wald eine Ruhe nieder, wie sie eigentlich nur die alten Steine von vor nicht messbarer Zeit her kennen.

   Virón reitet wieder einmal auf Datenbahnen und Wichtel besucht immer öfters bei Nacht die Menschen unten im Tal. Dort macht er den Wein stärker und die Seelen durchlässiger. Wenn die Menschen betrunken genug sind, vergisst er alle Warnungen und treibt seine Späße ohne Ende. Derweilen geht Leya bei Nacht immer öfters zum Silberwald hinauf, hüllt sich mit dem fahlen Schein des Mondes ein und öffnet dem Wald das Licht ihrer Seele.

In letzter Zeit geht irgend eine Änderung im Silberwald vor sich. Ein Besucher geht um, den aber noch niemand gesehen hat. Alle merken es an der unheimliche Stille bei Nacht, besonders wenn Leya da ist. Die alten Steine kennen diese Stille, aber sie schweigen und sehen nur zu.

Leyas Sehnsucht wird erwidert. Immer öfter öffnet sie ihre Seele für die Liebe, für Sylvan aus dem uralten Geschlecht der Incubi, der Flur und Waldgeister. In ihren Träumen erzählt er ihr uralte Geschichten von der Liebe zwischen Bäumen, von Liebe und Erfüllung wunderschöner Lichtwesen und mächtigen Männern und Frauen. Sie alle sind längst gegangen. Immer öfter hören die Bewohner des Silberwaldes Sylvans Erzählungen zu, erfahren sie von der Kunst der Traumsprache.

   In dieser Nacht des vollen Mondes finden Leya und Sylvan zueinander und der Wald hält den Atem an. Alle hören verzaubert zu. Mit dem letzten Schein des Mondes kommt die Sonne über den Falkenstein und all die wunderbaren Träume bleiben in der Erinnerung aller. Leya liegt im taunassen Gras und ihre erloschenen Augen im kalten Gesicht erzählen von einer niemals vergessen werdenden Liebe.

Die Bewohner und all die sonderbaren Wesen des Waldes wachen auf und sehen Leya tot unten im Gras des Silberwaldes liegen. Sie wissen nicht, sollen sie über den Tod ihrer wunderschönen Leya klagen oder sich an der niemals mehr vergessen werdenden Geschichte der Liebe zwischen Leyas und Sylvans erfreuen.

   Manchmal spaziert der Pfarrer der Kirche zur ‚Heiligen Barbara’ noch vor der Abenddämmerung durch den Silberwald. Der Pfarrer ist ein frommer Mann und manchen Besucher erzählt er dabei von der Liebe Gottes, die die größte aller Lieben sei. Er weiß nichts von der den Tod überdauernden Liebe zwischen Leya und Sylvan. Aber vielleicht ist gerade sie die göttliche Liebe.

Wichtl, der Schuldbeladene, gibt dem Pfarrer die Idee ein, ein bleibendes Zeichen einer göttlichen Liebe zu setzen. Und der alte Pfarrer lässt am Eingang zum Silberwald die Säule der Liebe Gottes aufstellen. Die Worte „Gott ist die Liebe“ führt die Besucher des Silberwaldes um die Säule herum. Viele Verliebte kommen vom Tal herauf, nur um die Säule zu berühren und ihr Versprechen zur Liebe zu erneuern. Manche, die von der unvergänglichen Liebe zwischen Leya und Sylvan wissen, wissen dabei nicht, sollen sie sich freuen oder sollen sie traurig sein.

 

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Zeitbrunnen - ein Brunnen der Zeit

Im Schwazer Silberwald befindet sich der einzige Zeitbrunnen der Alpen. Der nächste ist in der Toskana in Etrurien, in der Nähe des Flusses F. Ombrone unweit der Küste Liguriens. Hier ein Textausschnitt einer Brunnenschau aus MELCHISEDEK.

.... nur, sind des ahnen augen vergessen und geleugnet; diese hoffen voller scham und betroffenheit auf die wiedergeburt der elpenzeit, wo dann der eine dem anderen die blindheit nimmt, und so das suchende auge an seekraft gewinnt, um den seher im supfe feuchtwarmer wässer mit nicht endender sicht auf die eigene ahnenkette rückwärts schauen zu lassen, ihm die fragwürdigkeit ihrer glieder bewusst zu machen und schnell noch über ihre dürftigkeit zu lachen, bevor der elp zwischen sumpfpflanzen hindurch auf eine seichte lacke zeigt, deren schwarzschlammiger grund vom spiegelbild der sonnenzeit kund tuend dem elp unter dem tiefdunkelblauen sternenhimmel einen der brunnen der zeit öffnet, in dem er untertauchend die letzten boten der sonnenchorona noch grüßend das staunende auge zum mitkommen auffordert, sie beide gemeinsam schraubend abwärtsschweben, immer fort um die eigenen seele drehend und die positonen zueinander in begleitung harmonischer klänge um die epochenachse kreisend wechseln, und dabei das auge immer mehr mit kraft und macht aufgeladen von einem glühenden glimmer zu einem leuchtenden, drehenden rad anwächst, dem im abwärtsschweben die geschichte der elpengeschlechter wie auf einem uralten, lebenden fries kund getan wird; ein abwärtsschweben wie in einem endlos hoch oder tief scheinenden dom, dessen wände das spiralige abwärtsgleiten des paares mit leuchtendfahlgelben, schlanken und schmucklosen sandsteinsäulen, luftigen arkaden, emphoren, getürm und spitzfenster begleiten, durch die der elpen ahnenwurzeln allmählich sichtbar werden, und wo zu sehen ist, wie wesen ihrer art den steinen, den bäumen und vielen andern das wort und die sprache bringen, sie das erste lied der freude, der schönheit und der liebe singen, es in den kosmos hinaus tragen und in aller leben seelen hinein schreiben, so diese untereinander sprechen, sich lieben und freuen lernen, lange bevor in einem akt der anmaßung der erdlinge paradies oder gar das ihrer götter geschaffen wurde, und der elpen ahnen mit der genisis und der pflege des noch nicht wunderbaren, des gewesenen aufhörten, so dass hier herunten, noch fern des fusses der epochenachse des zeitbrunnens nur mehr ihr gesang, ihrer lieder klang vor der zeit, als diese noch im sternensamen ruhte, herüber weht, und mit dem lied der elpen, ihre genesis dem glühenden, immer größer und mächtiger sich aufladenden augenrad die welt vor der zeit kund getan wird.

   Die lieder der elpen können heute noch hie und da als schwaches echo wie ein verwehtes gefühl von sehenden erdlingen geahnt werden, sofern legitimierte testamentverwalter der mächtigen altvorderen den schleier der bewertung vom rotglühenden, rotierenden augenrad nehmen, um diesem im rückflug, in der steigfahrt im schacht des zeitbrunnens das wundersame wirken und vergehen der elpengeschlechter und vieler anderer mächtiger und beauftragter mit umso mehr empfinden sehen und miterleben lassen, bis ganz oben, am ausgangspunkt der fahrt, im spiegel der brunnenlacke das gesehene und erlebte unauslöschlich in der erinnerung des ..... verankert ist, …

Die Zeitbrunnenschau im Silberwald ist keine so einfache Sache. Ohne eine zweistündige Führung im Silberwald und ohne zuvor mehrere Dialoge vom Philosophenhorizont aus zu führen, ist der Zugang zum Zeitbrunnen nicht möglich

 

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Poesie und Grammatik der Natur

   Neben dem Zeitbrunnen im Silberwald und dem am Fluss Ombrone in Etrurien-Toskana findet sich der einzige Brunnen im Westen des alten Kontinentes in einem unberührten Wald, in der Nähe des Hügels von Chartres. Der Wächter dieses Brunnens, ein alter Elp, schickt bei allen Morgendämmerungen einer neuen Zeitepoche zu den anderen Zeitbrunnen die vergessene Geschichte der Ersten Sprache. Den dort lebenden Wesen soll sie wieder in Erinnerung gerufen werden. Aber Elpen in ihrer Weisheit ruhend, sind etwas faul geworden. So trägt ihre Wouivre unter der Erde den Vergesslichen bei den Brunnen der Zeit diese Geschichte zu. Wieder gibt es eine Zeitenwende, deshalb erzählt der alte Elp:

    „Vor undenklichen Zeiten, als es endloslange dunkel auf Erden war, bestimmten die Steine alleine das Bild der Welt. Um sich unterhalten zu können und damit ihnen nicht langweilig war, erfanden sie die Erste Sprache.

    Mit der Sprache kam aber das Leben auf die Welt und das gefiel den Steinen nicht so sehr. Sie wollten alleine unter sich sein. Seither reden die Steine nur mehr selten. Mit anderen schon gar nicht und wenn, dann nur alle paar hundert Jahre einmal.

Die Steine wussten, mit der Sprache schufen sie die Verantwortung und so etwas ist ihnen besonders lästig. Das bedeutet Hastigkeit und vor allem laut sein. MOORO, der mächtigste aller Steine, der größte aller Schweiger, dachte, geben wir die Verantwortung einfach weiter, es sollen andere für uns sprechen.

   Es vergingen Äonen von Zeiten, dunkle und helle folgten wechselnd aufeinander und allmählich wuchs ein mächtiges Geschlecht von Fürsten und Königen heran, die an Stolz nicht zu überbietenden Elfen. Sie bekamen von MOORO den Auftrag, im Namen der Steine ihre Sprache zu pflegen und sie allen Lebewesen einzuhauchen.

Die Elfen waren damals ein wirklich stolzes Geschlecht, ihnen schien dieser Auftrag viel zu minder. Beschäftigten sie sich doch lieber mit dem Licht der Sonne, schufen die Musik und gaben die Sprache der Steine für ihr Werk aus. Nichts bauten sie lieber als die Brunnen der Zeit und auf eine Weitergabe der Sprache legten sie keinen Wert.

Gordon, ebenfalls einer der Mächtigen unter den Steinen, ein wenig jünger als MOORO, so in etwa einige Millionen Jahre, kam in Hast, je länger er dem Treiben der Elfen zu sah. Gordon konnte den Elfen ihre Sprache nicht mehr nehmen, aber er bestrafte sie für ihre Eitelkeit, indem er ihre Familien zerriss. Die Frauen und Kinder zogen weg von ihren Männern, über alle Berge und Wälder hinweg. Seit damals suchen die Elfenmänner ihre Frauen und Kinder; so lange, bis der Stolz der Elfenfürsten und Könige gebrochen ist. Heute noch kommen Elfenmänner auf ihrer Suche am Mondweiher im fernen Silberwald vorbei.

    Ihren Stolz können die Elfen nicht ablegen und so gaben sie den Auftrag der Steine an die Elpen weiter. Die Elpen sind ein junges Geschlecht, ihre Wurzeln liegen in der Nebelzeit hoch oben im Norden, lange bevor man begann, die Zeit zu teilen. Vor dem Maß der Zeit waren sie mächtige Krieger. Als ihnen aber die Elfen die Sprache der Steine einhauchten und den Auftrag gaben, sie allen Lebewesen zu lehren, wandelten sich die Elpen von Kriegern zu den letzten Weisen der Altvorderen.

Bevor die Elpen die Sprache in die Wälder brachten, sie diese den Bäumen, den Tieren und allen anderen lehrten und vielen die Musik bekannt machten, war alles Leben lebendig tot. Erst mit der Sprache und der Musik wurde Leben zu Leben. Lebten die Götter, hatte die Natur ihr Gesicht.

Mit der Sprache der Steine verliehen die Elpen der Natur eine Stimme. Seit damals zeigt sich die Natur in ihrer Sprache. MOORO hatte daran nun wirklich Freude, wenn er auch nicht ganz zufrieden war. Die Steine lieben die Ordnung, sie meinen, nur nicht hastig sein. So waren es die Steine selbst, die die Grammatik in die Sprache der Natur schrieben.

    Zur hohen Zeit der Elpen verstand ein Jeder die Sprache und die Grammatik der Natur. Erst viel, viel später, als die Menschen übers weite Land zogen, lehrten die Elpen ihnen die Poesie und die Grammatik der Natur. Bald aber wussten nur mehr ihre Weisen von dieser Sprache. Lange dauerte es nicht, nur ein paar Jahrtausende, die Weisen des Alten Landes wurden vertrieben. Viele von ihnen starben unter der Gewalt der mächtigen Kriegervölker und Altes Wissen ging in die andere Welt hinüber.“

    Die Poesie und die Grammatik der Natur ging den Menschen verloren, aber in ihnen ist davon immer noch eine verschüttete Ahnung. Heute versucht manch einer, auf ihrer Spur zu gehen, obwohl nahezu niemand mehr an das Wunderbare der Natur glaubt. Seither gilt für sie: In der Musik sind wir den Göttern am nächsten, in der Poesie versuchen wir ihre Sprache und in den Taten sind wir wie sie.

    Im Silberwald, dem Hain der Tausendjährigen, oberhalb des Zeitbrunnens, stehen die Speicher des Wissens von der Ersten Sprache. Sie, die Vier Steine der Weisheit, erzählen manchmal von der Alten Sprache, von der ihrer Art.

Die Vier Steine der Weisheit sind uralte Matrix des Versprechens, sind ein Durchgang von der Zeit des Vergessens zur Ferne in der Erfindung der Zukunft. In ihnen ist die Welt niedergeschrieben.

 

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Sternenfindling

    Etwas war schon immer, dämmerte in ihm. Etwas kommt und geht im scheinbar ewigen Rhythmus. Nur was ist dieses Etwas wirklich? Was ist hier an diesem Ort schon Ewigkeit, was ist Zeit?

Etwas längst Vergangenes tritt zögerlich hervor. Etwas passiert, geht vor sich. Ein tiefer Schlaf, tiefer als der Tod, beendet allmählich sich selbst und ein immer heller werdendes Licht zeigt seine Corona, begleitet allmählich von Hören und Sehen. Mitten ins schmerzhafte Aufwachen strahlt ein lange vergessen geglaubte Licht und leise Stimmen wispern.

Dinge, die einmal waren, kommen aus einer anderen Welt herüber, kommen aus dem Nichts und sind ihm irgendwie bekannt und in diesem Augenblick doch fremd und ferner den je.

    Etwas geht vor sich und hat ihn berührt, rein nur in den Gedanken. Er spürt Stimmen, fühlt sie und sie kommen ihm ganz nah, aber er kennt sie nicht. Wer sind sie? Er weiß nur, dass er selbst wieder existent wird, dass er etwas ist, was vorher unendlich lange schlief, währenddessen er seinen Namen vergaß. Er erinnert sich nicht, aber weiß jetzt, was er ist: ein Sternenfindling - nur, noch immer erinnert sich nicht an seinen Namen.

Nach einer scheinbaren Ewigkeiten kommt immer wieder kehrend eine Ahnung vom eigenen Sein, das Sein eines Sternenfindlings. Plötzlich wechselnd wieder hell und dunkel, und doch schläft noch immer ein Teil des Sternenfindlings. Aber etwas in ihm wartet, ist munter.

    Diesesmal ist alles anders und doch irgendwie bekannt. Es ist ein Schock. Ein Teil des Sternenfindlings wacht auf, der andere schläft. Der Findling erlebte immer wieder Ähnliches in einer anderen Welt und in einer anderen Zeit. Er lebt, aber er weiß seinen Namen nicht, so nennt er sich selber Sternenfindling.

Der Findling hört Stimmen, fern und doch sehr nah. Die Bäume, die er ansieht, brechen unter seinem Blick. Die Steine, die er anspricht, zerfallen. Das Wasser, auf das er zeigt, kocht. Er hat alles vergessen und muss wieder neu beginnen zu lernen mit seinen Fähigkeiten und seinen Kräften umzugehen. Welch ein Schock. Wie soll er mit den schwachen, leisen Stimmen umgehen, ohne sie zu zerstören. Aber seine Neugierde erwacht. Wer sind die noch nie gehörten Stimmen?

    Der Sternenfindling hört vorsichtig zurückhaltend in seine Umgebung, lauscht leise in sie hinein. Ja es sind Namen wie Agnes, wie Maria Luise, Karin oder Claudia. Das tut weh, sie haben Namen, nur seinen eigenen Namen kennt er nicht. Sie gehören Wesen an, von denen er noch nie etwas vernommen hat. Er wagt gar nicht richtig hinzuhören, schon gar nicht hinzusehen, sonst zerstört er vielleicht diese wunderbaren Stimmen.

Immer selbstsicherer kommt der Sternenfindling aus der Tiefe seines Schlafs heraus und er kann ihre Gedanken lesen, ihre Gefühle aufnehmen. Ein Schock, wie lebendig sie sind und sie doch nur für den Moment fühlen, hoffen und träumen. Sie nennen sich Frauen, Lebewesen, so kurzlebig wie ein Sternenfunke. Jenseits des Mondweihers graben sie eine tiefe Grube. Denn hier sind sie an einem wunderbaren Ort, in einem Paradies, glauben sie.

    Scheinbar geht es ihnen um eine uralte Schuld. Sie wollen einen Baum mit Früchten setzen, einen Apfelbaum der alten Art des Landes. Wie sonderbar, so etwas nennen sie Freiheit, das Ablegen einer längst vergangenen Schuld. Was ist für ihn schon Schuld in einem Augenblick der Ewigkeit?

 

Wunderbare Wesen sind sie, deren Gefühle er in sich aufnimmt. Wann hat der Sternenfindling jemals so etwas erlebt. Er hat es schon lange vergessen. Bei all seinem Alter, seiner Kraft, ihre lebendigen, starken Gefühle tun im weh, ihre Schuld lastet auf ihm und doch geben sie ihm damit ein wunderbares Geschenk.

    Der Apfelbaum steht, ihre Gedanken bilden um ihn herum eine Kette der Wünsche, der Hoffnung und der Befreiung von alter Ungerechtigkeit. Ihre Träume sollen nicht vergebens sein. Ein Sternensamenkorn des Hellen Lichts pflanzt er in den Wurzelstock des Paradiesbaums jenseits des Mondweihers.

Für alle anderen, dieser sonderbar lebendigen Wesen pflanzt der Sternenfindling einen Samenkorn des Dunklen Lichtes tief in den Boden der Arena des Silberwaldes ein. Keiner kann sich diesem Licht entziehen. All die sonderbaren Wesen des Hains der Tausendjährigen nicht und seine Besucher auch nicht. Ein Jeder nimmt ein Stück dunkles Licht des Sternensamens in sich mit. Dunkles Licht heilt nicht, bringt kein Glück, aber schenkt jeden eine Spur der Ahnung von Ewigkeit.

    Das heller werdende Licht der Frauen des Apfelbaums gibt auch dem Sternenfindling seine Freiheit zurück, entlässt ihn mit dem Wissen um diese wunderbaren Wesen in andere Welten und Zeiten, um vielleicht dort wieder seinen Namen zu finden.

 

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